Sie sind definitiv ein lustiges Völkchen, diese Franzosen. In Deutschland verpufft so langsam der Unmut über Schäubles geplanten Überwachungsstaat. Da würde "der Franzose" nur drüber lachen. Hier ist alles "sur surveillance vidéo" (gesprochen würde das in etwa so klingen: "ßühr ßührwäijonks wideó"). Kleine Anekdote nebenbei: Wir haben uns gestern mal den Spaß gemacht, diese Phrase einen Franzosen (gut, der war auch leicht angeheitert) sprechen zu lassen und auch der hat sich fast die Zunge gebrochen. Ist also nicht alles die sprachliche Unfähigkeit von uns Exil-Deutschen.
Alles und jeder wird hier überwacht. Da gibt es meine Kommilitonen, die sich nachts sternhagelvoll durch die Eingangshalle des Wohnheims den Weg zu ihrem Zimmer bahnen (mehr oder weniger "au radar") und von den netten Menschen am Empfangstresen, die alles auf den Bildschirmen verfolgen können, nur ein müdes Lächeln ernten. Zweite Nebenbemerkung: Man kann vermutlich davon ausgehen, dass diese Empfangsmenschen es gewohnt sind, auf ERASMUS-Studenten zu treffen, die relativ "plein" sind.
Aber auch der Bus, die öffentlichen Gebäude, so ziemlich alles wird per Video überwacht.
Ganz besonders "sinnvoll" finde ich aber die Investition in eine Kameraüberwachung des "Stillleseraums" der Unibibliothek. Man fragt sich da allen Ernstes, was oder wer da vor wem geschützt werden soll. Ein Kommilitone hatte schon die Idee, dass vielleicht verhindert werden soll, dass jemand die Buchstaben aus den Büchern liest und sich auf diese Art und Weise "illegal" Wissen beschaffen könnte... ;-) So sarkastisch das klingt, aber so ganz abwegig finde ich das garnicht mal, denn ein Großteil unseres Universitätslebens besteht hier darin, die Dozenten mitzustenographieren. Quasi die "allgemein bekannte Weisheit" zu Papier zu bringen und damit für die Ewigkeit zu fixieren (die Katholiken kennen das, die machen auch immer alles gleich mit Ewigkeitsanspruch ;-)).
Was ich in der Anfangsphase an Passbildern und Datenzetteln in den Umlauf bringen musste, das ist der absolute Hammer. Ich bin der festen Überzeugung, dass der französische Staat nach den 6 Wochen die ich (erst) hier bin, schon mehr über mich weiß, als der deutsche jemals wissen wird. Nur Blutgruppe, Schuhgröße und Lieblingsstofftier, da hat mich noch keiner nach gefragt.
Das mag nun alles nach deutscher Bürokratie deluxe klingen, doch die Praxis gestaltet sich ein wenig anders. Wenn fünf Unterlagen gefordert werden und man dann drei davon abgibt, dann ist das schon ziemlich gut und man hat außerdem relativ gute Chancen, dass nach den zwei verbleibenden nie jemand fragen wird. Die Angestellten und Sachbearbeiter in Büros und Ämtern scheinen außerdem um den Wahnwitz ihres Papierkrieges zu wissen und nehmen ihn daher im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen auch längst nicht so ernst. Wenn man dann noch die Bemerkung "Je suis ERASMUS" und einige Floskeln in gebrochenem Französisch fallen lässt, hat man schon fast gewonnen, denn "les pauvres étrangers" können da ja nichts dafür und müssen ja auch erst in der Fremde und mit der anderen Sprache zurecht kommen.
Ganz nach der Volksweisheit: "Fünf Minuten dumm anstellen erspart oft eine Stunde Arbeit"... ;-P
Alles und jeder wird hier überwacht. Da gibt es meine Kommilitonen, die sich nachts sternhagelvoll durch die Eingangshalle des Wohnheims den Weg zu ihrem Zimmer bahnen (mehr oder weniger "au radar") und von den netten Menschen am Empfangstresen, die alles auf den Bildschirmen verfolgen können, nur ein müdes Lächeln ernten. Zweite Nebenbemerkung: Man kann vermutlich davon ausgehen, dass diese Empfangsmenschen es gewohnt sind, auf ERASMUS-Studenten zu treffen, die relativ "plein" sind.
Aber auch der Bus, die öffentlichen Gebäude, so ziemlich alles wird per Video überwacht.
Ganz besonders "sinnvoll" finde ich aber die Investition in eine Kameraüberwachung des "Stillleseraums" der Unibibliothek. Man fragt sich da allen Ernstes, was oder wer da vor wem geschützt werden soll. Ein Kommilitone hatte schon die Idee, dass vielleicht verhindert werden soll, dass jemand die Buchstaben aus den Büchern liest und sich auf diese Art und Weise "illegal" Wissen beschaffen könnte... ;-) So sarkastisch das klingt, aber so ganz abwegig finde ich das garnicht mal, denn ein Großteil unseres Universitätslebens besteht hier darin, die Dozenten mitzustenographieren. Quasi die "allgemein bekannte Weisheit" zu Papier zu bringen und damit für die Ewigkeit zu fixieren (die Katholiken kennen das, die machen auch immer alles gleich mit Ewigkeitsanspruch ;-)).
Was ich in der Anfangsphase an Passbildern und Datenzetteln in den Umlauf bringen musste, das ist der absolute Hammer. Ich bin der festen Überzeugung, dass der französische Staat nach den 6 Wochen die ich (erst) hier bin, schon mehr über mich weiß, als der deutsche jemals wissen wird. Nur Blutgruppe, Schuhgröße und Lieblingsstofftier, da hat mich noch keiner nach gefragt.
Das mag nun alles nach deutscher Bürokratie deluxe klingen, doch die Praxis gestaltet sich ein wenig anders. Wenn fünf Unterlagen gefordert werden und man dann drei davon abgibt, dann ist das schon ziemlich gut und man hat außerdem relativ gute Chancen, dass nach den zwei verbleibenden nie jemand fragen wird. Die Angestellten und Sachbearbeiter in Büros und Ämtern scheinen außerdem um den Wahnwitz ihres Papierkrieges zu wissen und nehmen ihn daher im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen auch längst nicht so ernst. Wenn man dann noch die Bemerkung "Je suis ERASMUS" und einige Floskeln in gebrochenem Französisch fallen lässt, hat man schon fast gewonnen, denn "les pauvres étrangers" können da ja nichts dafür und müssen ja auch erst in der Fremde und mit der anderen Sprache zurecht kommen.
Ganz nach der Volksweisheit: "Fünf Minuten dumm anstellen erspart oft eine Stunde Arbeit"... ;-P

1 Kommentar:
Erschreckend! Marina hatte doch erzählt, dass die Franzosen ständig gegen alles protestieren. Gilt das nur für Paris? Auf der anderen Seite kann man sicher auch fragen, was die Kameras bringen sollen, wenn keiner Zeit hat sie alle zu beobachten und das müsste ja oft der Fall sein, dann wirken sie vielleicht auch weniger bedrohlich...
Viele Grüße aus einem Wohnheim, das seinen Bewohnern alle denkbaren Freiheiten lässt,
Martina
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