Sonntag, 19. Oktober 2008

Dijon & Beaune









"Wer hat die Tiefkühltruhe aufgelassen?" Das haben wir uns heute eigentlich den ganzen Tag über gefragt. Vielleicht sind wir Deutschen einfach nicht hartgesotten genug, um mit so manchem englischsprachigen Mädel in Ballerinas mit Leggings und kurzem Röckenchen mitzuhalten, vor allem aber der Kälte trotzen zu können. ;-)
Das ERASMUS-Team hatte wieder mal allerhand für uns organisiert und so führte uns der Weg diesmal ins Nachbardepartement Burgund.
Nach einer Stadtführung hatten wir - leider- nur noch recht kurz Zeit, Dijon auf eigene Faust zu erkunden. Eine wirklich schöne Stadt mit kleinen Geschäften und alten Häusern, die im Gegensatz zu vielen deutschen wirklich noch aus dem Mittelalter stammen und nicht einfach später wieder aufgebaut wurden.
Weiter ging es dann mit dem Bus Richtung Beaune, wo wir ein Hospital besichtigten, das im 15. Jahrhundert vom Kanzler Philipps des Guten eingerichtet wurde und sich vornehmlich an die Armen der Stadt richtete. Nebenbei bemerkt war das Hospital bis vor wenigen Jahrzehnten in Betrieb.
Was wäre jedoch ein Ausflug ohne, na, Ihr ahnt es sicher schon, was tut man in Frankreich... na klar... Wein trinken... In der "Cave de la Reine Pédaque" wanderten wir durch alte Kellergewölbe, die aufgrunde der hohen Luftfeuchtigkeit mit reichlich Schimmelpilzen überzogen waren. Ich bin aber nicht sicher, ob ich mich nicht doch verhört habe oder die Führerin diese Pilze tatsächlich als Penicillin-irgendwas bezeichnete. ;-) Natürlich gab es auch noch Wein zur Degustation und das nicht zu knapp. Ganze zwei Weiß-, drei Rotweine und zwei Liköre wurden uns zur Probe eingeschenkt. Besonders der Crème de Cassis ist meiner Ansicht nach nicht zu verachten.
Und so neigte sich wieder mal ein ereignisreicher Tag seinem Ende, wobei er eigentlich noch nicht zu Ende war, denn am Abend startete auf dem Campus eine Halloweenparty.

Sonntag, 12. Oktober 2008

Paranoia?!

Sie sind definitiv ein lustiges Völkchen, diese Franzosen. In Deutschland verpufft so langsam der Unmut über Schäubles geplanten Überwachungsstaat. Da würde "der Franzose" nur drüber lachen. Hier ist alles "sur surveillance vidéo" (gesprochen würde das in etwa so klingen: "ßühr ßührwäijonks wideó"). Kleine Anekdote nebenbei: Wir haben uns gestern mal den Spaß gemacht, diese Phrase einen Franzosen (gut, der war auch leicht angeheitert) sprechen zu lassen und auch der hat sich fast die Zunge gebrochen. Ist also nicht alles die sprachliche Unfähigkeit von uns Exil-Deutschen.
Alles und jeder wird hier überwacht. Da gibt es meine Kommilitonen, die sich nachts sternhagelvoll durch die Eingangshalle des Wohnheims den Weg zu ihrem Zimmer bahnen (mehr oder weniger "au radar") und von den netten Menschen am Empfangstresen, die alles auf den Bildschirmen verfolgen können, nur ein müdes Lächeln ernten. Zweite Nebenbemerkung: Man kann vermutlich davon ausgehen, dass diese Empfangsmenschen es gewohnt sind, auf ERASMUS-Studenten zu treffen, die relativ "plein" sind.
Aber auch der Bus, die öffentlichen Gebäude, so ziemlich alles wird per Video überwacht.
Ganz besonders "sinnvoll" finde ich aber die Investition in eine Kameraüberwachung des "Stillleseraums" der Unibibliothek. Man fragt sich da allen Ernstes, was oder wer da vor wem geschützt werden soll. Ein Kommilitone hatte schon die Idee, dass vielleicht verhindert werden soll, dass jemand die Buchstaben aus den Büchern liest und sich auf diese Art und Weise "illegal" Wissen beschaffen könnte... ;-) So sarkastisch das klingt, aber so ganz abwegig finde ich das garnicht mal, denn ein Großteil unseres Universitätslebens besteht hier darin, die Dozenten mitzustenographieren. Quasi die "allgemein bekannte Weisheit" zu Papier zu bringen und damit für die Ewigkeit zu fixieren (die Katholiken kennen das, die machen auch immer alles gleich mit Ewigkeitsanspruch ;-)).
Was ich in der Anfangsphase an Passbildern und Datenzetteln in den Umlauf bringen musste, das ist der absolute Hammer. Ich bin der festen Überzeugung, dass der französische Staat nach den 6 Wochen die ich (erst) hier bin, schon mehr über mich weiß, als der deutsche jemals wissen wird. Nur Blutgruppe, Schuhgröße und Lieblingsstofftier, da hat mich noch keiner nach gefragt.
Das mag nun alles nach deutscher Bürokratie deluxe klingen, doch die Praxis gestaltet sich ein wenig anders. Wenn fünf Unterlagen gefordert werden und man dann drei davon abgibt, dann ist das schon ziemlich gut und man hat außerdem relativ gute Chancen, dass nach den zwei verbleibenden nie jemand fragen wird. Die Angestellten und Sachbearbeiter in Büros und Ämtern scheinen außerdem um den Wahnwitz ihres Papierkrieges zu wissen und nehmen ihn daher im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen auch längst nicht so ernst. Wenn man dann noch die Bemerkung "Je suis ERASMUS" und einige Floskeln in gebrochenem Französisch fallen lässt, hat man schon fast gewonnen, denn "les pauvres étrangers" können da ja nichts dafür und müssen ja auch erst in der Fremde und mit der anderen Sprache zurecht kommen.
Ganz nach der Volksweisheit: "Fünf Minuten dumm anstellen erspart oft eine Stunde Arbeit"... ;-P

Sonntag, 5. Oktober 2008

Imbiss-Französisch für Fortgeschrittene

Denkt man an kulinarische Eigenarten der Franzosen, dann würden einem sicher erstmal Froschschenkel oder Schnecken einfallen. Frösche sind mir hier bisher weder beim Essen noch im Wald begegnet, gut, Schnecken dafür auf den Wegen umso mehr, aber gesammelt und inKräuterbutter geschwenkt habe ich selbige deshalb noch lange nicht.
Umso kurioser für den gestandenen Preußen ist dann der Weg durch den Supermarkt und die Uni-Mensa. Neben Fisch oder Pute kann man mehrmals die Woche beim Mittagessen Bekanntschaft mit "Langue de Boeuf" (Rinderzunge) oder "Tête de veau" (Kalbskopf) machen. Über eine international bekannte Online-Suchmaschine, deren Gebrauch sich in Verbform schon im Duden niedergeschlagen hat oder bald tun wird, kann man Bilder selbiger Köstlichkeiten herunterladen, doch mit Rücksicht auf die Mägen meiner Leser habe ich mir überlegt, keine solchen Fotos hier zu präsentieren. Da schwimmen Stücke von Gehirn und Innereien eines Kalbes zu Brei gekocht und geliert in einem Topf (nett, wenn einen wenigstens keine Augen mehr anstarren) oder Scheiben einer Rinderzunge reihen sich aneinander wie ein gigantischer Waschlappen.
Da lohnt sich dann auch mal ein Besuch in einem Supermarkt, denn da gibt es sowohl an der Bedienungs- als auch an der SB-Fleischtheke sämtliche dieser Spezialitäten sozusagen im "Naturzustand". Von irgendwoher kuckt einen da immer irgendwas an, egal ob Schwein, Rind oder sonst etwas. Innerei neben, Zunge, Ohr, Hirn, als ob man sagen wollte: Dat Vieh is eh schon tot, bevor irgendwas verkommt, da bringen wirs lieber unters Volk. Eintopf geht immer!
Und nein, es vergammelt weder in den Kühlregalen, noch in den Mensakochtöpfen. Die Leute hier scheinen das WIRKLICH zu essen!
Manchmal stehe ich vor der Anzeigetafel der Mensa und weiß nicht genau, was mir da gerade wieder angeboten wird, auch wenn meine Sprachkenntnisse sich langsam verbessern. Ist vielleicht auch ganz gut so, dass sich das bei den kulinarischen Vokabeln noch nicht so ausgewirkt hat. Einige Sachen will man einfach nicht wissen! ;-)