Donnerstag, 29. Januar 2009

Geh mal wieder auf die Straße, geh mal wieder demonstrieren...


Die Franzosen und der Streik. Bisher blieben wir hier weitestgehend verschont, aber nun hat man sich überlegt, an diesem hübschen Donnerstag im Januar einmal kurzerhand das ganze Land mehr oder weniger lahm zu legen. Erstaunlich ist nicht die Tatsache des Streikes ansich, sondern vielmehr, dass die Franzosen das in dem Ausmaße organisatorisch auf die Kette bekommen. Besonders spannend wird es aber erst, wenn man einmal die Franzosen fragt, wogegen sie eigentlich an diesem Streiktag ihre "manifs" (Demos) machen. Man sieht in ratlose Gesichter und dann bekommt man mehr oder weniger überzeugt und überzeugend gesagt, dass man "gegen alles" sei, vornweg gegen den ehemaligen Staatsliebling "Sarko", wie er hier nur liebevoll genannt wird.
Der Deutsche brauch sich über die Unannehlichkeiten jetzt aber garnicht erst künstlich aufzuregen. "C'est comme ca", sagt der Franzose da einfach und wartet geduldig auf die Dinge, die da kommen oder auch nicht kommen mögen...

Dienstag, 20. Januar 2009

...dahin, wo der Pfeffer wächst...






...sind wir heute gefahren, mehr oder weniger unabsichtlich. Gemeinsam mit unserem perfekt deutsch parlierenden englischen Kommilitonen machte sich unser Reisetrupp auf den Weg in das mit dem Zug eine halbe Stunde entfernte Arc et Senans. Absolut idyllisch liegt dieses, naja, Städtchen wäre übertrieben, diese Ansammlung von wenigen Häusern. Ziel unserer Reise war aber nicht das Kaff ansich, sondern die sich dort befindliche "Saline Royale", eine Saline aus dem 18. Jahrhundert, die von dem französischen "Stararchitekten" des Ancien Regime, Claude-Nicolas Ledoux geplant wurde. Architektonisch sehr sehenswert waren wir allerdings etwas enttäuscht, dass fast alle Gebäude geschlossen waren oder lediglich Tagungsräume beherbergten. Interessant hingegen das Salzmuseum und eine Kunstausstellung. Wir waren auch scheinbar die einzigen Gäste dort und alle Menschen, die uns auf dem Gelände begegneten, haben sicher dort gearbeitet.
Was macht man, wenn man im Jura ist und noch viel Zeit hat, bis der Zug kommt? Richtig, man macht eine Weinprobe. Es gab auch drei Etablissements, die so aussahene, als könnten die Wein anbieten, jedoch hatten allesamt geschlossen. Drei Stunden in einem Dorf, wo es weder ein Café noch einen Supermarkt gibt, können seeeehr lang werden... ;-)

Samstag, 17. Januar 2009

Freiburg, die Zeugen und der Aufzug






Es ist noch früh am Morgen, als uns die zwei Mütterchen eine Art Ausweis vor die Nase halten. "Oh Gott", denken wir, jetzt vertickern die Zeugen Jehovas ihren Wachturm auch schon in Zügen zwischen Frankreich und der Schweiz. Hinten dran ein junger Mann, den man auf den ersten Blick für den Zivi der beiden älteren Damen hätte halten können. Ob wir etwas zu verzollen hätten, wollen sie wissen. Die Ausweise wollen sie sehen und wissen, woher wir kommen. Nein, hätten wir eigentlich sagen sollen, wir wollen die Waffen erst auf dem Rückweg schmuggeln.
In Freiburg kommen wir nach einer halben Odysee dank der SNCF (das frz. Pendant zur Deutschen Bahn, nur noch inkompetenter) irgendwann doch noch an. Am Bahnhof verfalle ich fast in Freudentaumel, als ich in der Bahnhofsbäckerei die riesige Auswahl an Brot und Brötchen sehe.
Wir plündern den Drogeriemarkt. Brot, Schokolade, Kekse. Alles, was es in Frankreich nicht gibt, verschwindet in großen Koffer.
Wenig später treffen wir Thomas, meinen ehemaligen Mitfachschaftler. Er will uns Freiburg zeigen, doch auf dem Weg zum Schlossberg versagt der Aufzug fast völlig. Wir drücken den Notknopf und der Mensch am anderen Ende der Leitung sagt zu, sich darum zu kümmern. Wie ein Wunder fährt das Teil dann nun doch weiter und wir kommen oben an. Den Rückweg nach der wunderbaren, wenn auch nebeligen Aussicht, laufen, naja, rutschen wir herunter, denn Thomas ist, wie man verstehen kann, nicht gewillt diesen doch sehr unzuverlässigen Aufzug abermals zu betreten.
Wieder unten angekommen, bestaunen wir das wirklich schöne Städtchen, machen Fotos, testen die Freiburger Mensa und kaufen mehr Bier und Wein als der Zoll eigentlich zulassen würde, doch wir spekulieren darauf, dass die "Zeugen" vom Morgen jetzt anderweitig beschäftigt sind.
Am Abend verabschieden wir uns von Thomas und warten auf den verspäteten Zug. Auf der letzten Zugetappe in Frankreich treffen wir auf einen Mann ohne Fahrkarte, der mit Koffern, Gitarre und Flachbildfernseher umzieht, die Schaffner an den Rand der Weißglut treibt und zu allem Überfluss noch im Abteil (Nichtraucher!) zu Rauchen und Gitarre zu spielen beginnt. Aus einer Laune heraus macht der dann im Nachtzug das Licht und die Heizung aus. Verstehen muss man das sicher nicht.
Fazit: Super Tag, viel gesehen, bekloppte Leute, Dank an Thomas!

Dienstag, 13. Januar 2009

Was selbst die Maus nicht erklären kann...


Es kann viele Gründe haben, warum es in einem Raum, trotz Heizung, nicht so warm wird, wie es werden sollte. Wenn man den Thermostat in die falsche Richtung drehen würde, gut, dann wäre man selbst schuld. Oder wenn man das Fenster offen ließe.
Neulich brachten mich einige Kommilitonen auf ein Phänomen, das zumindest in französischen Studentenwohnheimen weit verbreitet zu sein scheint und wo sicherlich auch die klugscheißerige Maus aus der gleichnamigen Sendung in Erklärungsnöte käme:
Warum, bitte, macht man Lüftungen IN Fensterrahmen?! Reicht es nicht schon, dass es durch die Ritzen zieht?! Die hab ich irgendwann mit Panzertape zugekleistert, das ich mir geliehen hatte. Aber warum bitte Schlitze an oberen Kante des Fensterrahmen?!
Der Franzose, sehr freizügig was den Gebrauch von Schimpfwörtern angeht, hätte da eine tolle Phrase für:
Putain de bordel de merde!
Ich werde das hier nicht übersetzen! ;-)

Mittwoch, 7. Januar 2009

"Herr Doktor, ich habe Brot"

Kommunikation hat so seine Tücken, vor allem, wenn sie sich nicht in der eigenen Muttersprache abspielt. Das ist ansich nichts Neues, aber zwei meiner Kommilitonen haben das bereits hautnah erleben dürfen. Aufgrund verschiedener Symptome suchten sie hier in Frankreich Ärzte auf und schilderten ihre Beschwerden. "J'ai pain" sprach´s und schaute den Doktor erwartungsvoll an, sich nicht im Klaren, dass einige Wörter zwar im Englischen, aber im Französischen nur in anderen Zusammenhängen existieren. "Der Franzose ansich" (ein wunderbares Klischee) ist ja nun erwiesenermaßen nicht gerade anglophil, aber gerade die Medizinerzunft ist auf gewisse Grundkenntnisse der englischen Sprache angewiesen und so wurde unter Schmunzeln in beiden Fällen recht schnell klar, dass die beiden ERASMUS-Studenten nicht unter einem akuten Anfall von "Brot", sondern eher an Schmerzen litten. Im Französischen übrigens "les douleurs"...