Donnerstag, 26. Februar 2009

Liebe Franzosen,

manchmal kann ich Euch geistig nicht ganz folgen. Nach einer relativ kurzen Nacht komme ich heute Vormittag in die Uni und was ist? Eine "Versammlung" ist anberaumt. Nein, die Anführungszeichen setze ich nicht aus lauter Gehässigkeit (gut, das kommt vor, aber hier jetzt nicht ;-)). Zur Hintergrundinfo wäre es vllt ratsam zu erwähnen, dass siche der Teile der Fakultät nach wie vor im Streik befinden. Dabei geht es um Lehrplanänderungen und Finanzmittelkürzungen und so einen Käse eben.
Heute traf sich nun die "gesamte" Abteilung Geschichte (Studenten und Professoren). "Assemblée générale" hieß in dem Fall: Es kommen alle, die zur gleichen Zeit Seminare hätten. Ergo: Der Hörsaal war nicht mal annähernd voll.
Vorne versuchte dann ein Typ ohne Mikro (dafür hätte er ja 3 Schritte nach hinten gehen müssen) gegen das Geraschel und Gemurmel im Hörsaal anzureden. Man verstand so akustisch nicht alles, aber das war auch weniger tragisch. Es wurde uns mitgeteilt, dass die Dozenten sich entscheiden können, ob sie ihre Seminare halten oder nicht und dass diese Versammlung, die gerade abgehalten würde, sowieso keinen Rechtsanspruch auf irgendwas hätte. Das einzige und letzte Wort für und gegen irgendwas liege beim Universitätsleiter oder dem zuständigen Dekan. (Was ja im Umkehrschluss heißen müsste - gut, vllt habt ihr Franzosen eine andere Logik -, dass die Dozenten selbst auch nicht absolut frei in ihrer Entscheidung sind, ob sie unterrichten oder nicht.) Ich bezweifle, dass Monsieur Sarko und sein Bildungsminister sich wirklich für den Affentanz interessiere, der hier gerade von statten geht.
Nichts für ungut, meine Lieben, ich mag Euch trotzdem... ;-)

Montag, 16. Februar 2009

Aus den Memoiren eines französischen Dekans...

Es hat so seine Vorteile, wenn man Seminare und Vorlesungen beim Dekan (in etwa Leiter eines Fachbereichs, in meinem Fall die Philosophische Fakultät) hat. Der gute Mann ist organisatorisch voll involviert und informiert, was den Unialltag angeht. Unser Dekan an der "Fac de Lettres" in Besancon versteht es außerdem, immer mal wieder mit netten Anekdoten um die Ecke zu kommen. So wurde er am Heiligen Abend, oder besser dem Heiligen Morgen des vergangenen Jahres nach einem langen vorangegangenen Arbeitstag morgens früh von der Polizei aus dem Bett geklingelt mit dem Hinweis, dass seine Fakultät brenne. Er dachte schon, dass er vielleicht am Abend zuvor etwas nicht ausgemacht- oder gesteckt habe. Doch das war nicht der Grund. Was war geschehen? Ein stadtbekannter Landstreicher, Penner oder meinetwegen auch Tippelbruder (ich kenne den politisch korrekten Begriff nicht) hatte sich am Abend zuvor in einem Gebäude der Uni einschließen lassen. Doch nachdem irgendwann die Heizungen ausgingen wurde es dem guten Mann kalt. Was macht man also, wenn man in einem Gebäude mit Seminarräumen eingeschlossen ist? Richtig, man sucht Papier zusammen, stapelt es, macht vielleicht noch aus ein paar Tischen Kleinholz und bringt den ganzen Kram zum Fackeln. Und schwupps wird es warm und man hat sehr bald auch noch ein paar neue Freunde in roten und blauen Jacken, die das alles scheinbar nicht ganz so drollig finden...

Sonntag, 15. Februar 2009

Snow reloaded

Gestern gings früh am Morgen in Bullis des hiesigen Hochschulsports nach Avoriaz im Skigebiet Portes du Soleil. Das Wetter konnte sich zwischen Schnee und Sonne nicht ganz entscheiden, aber die unzähligen, super Pisten mit über 2 Metern Schnee waren der absolute Wahnsinn. Da war ich dann wirklich froh, dass ich dem Rat eines Trainers gefolgt bin und mich nicht im Snowboarden versucht habe, sondern Ski gefahren bin. Das hat auch mehr oder weniger geklappt. Kam mir garnicht so vor, als sei ich über 8 Jahre nicht mehr auf solchen Dingern gestanden.
Ich musste wohl oder übel feststellen, dass wenn man sich an das hält, was die Trainer einem sagen und vormachen, dass das dann doch wohl besser geht... Unsere Lehrer waren größtenteils eher die Variante "Mann mittleren Alters" als das "Sonnyboy-Schätzelein"... ;-P
Heil geblieben ist auch alles, aber ich bin auch extra vorsichtig gefahren. Einen Tagesausflug gibts im März noch. Mal sehn. Ich hab auf jeden Fall wieder Blut geleckt... :-D

Donnerstag, 12. Februar 2009

Let it snow, let it snow, let it snow!




Schnee! Richtig viel! Endlich!
Blöd nur, wenn man sich in einer Region befindet, die sich ab wenigen Millimetern Schnee schon im Ausnahmezustand befindet, auch wenn die Region zu den kältesten Frankreichs gehört und der ein oder andere Schneeschauer eigentlich so überraschend nicht sein dürfte. Wie dem auch sei. In der vergangenen Nacht gab es innerhalb weniger Stunden eine Menge Schnee. So viel, dass die Busse nicht mehr fuhren und ich, wie viele Franzosen auch, mich zu Fuß auf den Weg in die Uni machte. So kamen aber endlich auch mal meine Schneeboots zum Einsatz. ;-)

Sonntag, 8. Februar 2009

Mampftour im Schnee




So oder so ähnlich könnte man den gestrigen Tagesausflug betiteln.
Früh morgens ging es los Richtung Pontarlier, einem Ort nahe der schweizer Grenze, ein Stück weiter oben in den Bergen gelegen. Praktischerweise hat ich mich vorher über einen Onlinewetterdienst über die Witterungsverhältnisse in unserem Zielort informiert und so war ich vorgewarnt, dass mit Schnee zu rechnen war. Die New Yorker Mädels, die mit bei uns im Bus saßen, schien es völlig zu überraschen, dass Ballerinas oder Hausclogs Anfang Februar u.U. eher suboptimal sein könnten.
Genug gefrotzelt, nun zum Inhalt ;-)
Start der Tour war der Besuch einer Käsegenossenschaft und nun konnten wir auch endlich mal wirklich sehen, wie der Comté hergestellt und gelagert wird. Da durfte eine erste Degustation natürlich nicht fehlen.
Weiter ging es nach der Mittagspause in das Labor einer Chocolaterie. War ganz nett und interessant, die Schokolade gut, aber eher süß und nicht sonderlich spektakulär.
Ein Stück außerhalb der Stadt besuchten wir dann einen Imkereibetrieb, wo uns draußen in der Eiseskälte erklärt wurde, wie Honig gemacht wurde. War ganz nett, hab viele Vokabeln nicht verstanden (habe auch nicht immer zugehört ;-P), aber ich konnte mir eh vorher schon in etwa vorstellen, wie der Zusammenhang zwischen so ner Brummselbiene und nem fertigen Honigglas aussehen könnte.
Alles in allem ein toller Tag mit ner Menge Schnee und bekloppten Amerikanerinnen...

Dienstag, 3. Februar 2009

Was ein guter Preuße ist...

Spätestens seit dem verlorenen Krieg 1870/1871 haben die Franzosen damit zu kämpfen, die Vormachtstellung in Europa verloren zu haben. Selbst im Verlaufe des 20. Jahrhunderts gelang es ihnen nicht wirklich sie wieder zu erlangen. Das nagt an ihnen, der ein oder andere gibt das sogar zu. ;-)
"Was will sie uns damit nun sagen?", fragt sich der ein oder andere Leser jetzt vielleicht. Nun, seit gestern befinden sich die französischen Universitäten im Streik. Diesmal is der Bildugsminister oder so schuld. Wie lange, das wissen sie noch nicht. Gut, ich hab diese Woche eh frei, deswegen trifft mich das nicht wirklich.
Letzte Woche Generalstreik, jetzt das. Wäre man nun ein kleines bisschen fies, dann würde man sagen:
Kein Wunder, dass das mit Euch hier nicht aufwärts geht!
Man könnte manchmal denken, dieser Staat bestünde nur aus Beamten mit Arbeitszeiten von 11.55-12Uhr und 15.25-15.30Uhr.