Freitag, 8. Mai 2009

Nachlese II: Kein Wort für Heimat?

Dass die Franzosen etwas anders gestrickt sind als wir Preußen, das dürfte dem geneigten Leser mittlerweile klar geworden sein, selbst wenn er selbst noch nie das Territorium des Nachbarn betreten hat.
Auch sprachliche Differenzen sind nichts wirklich Neues, aber bei einer Reflexion und einer darauf folgenden Internetwortrecherche fiel mir etwas auf:
Das Wort „Heimat“ existiert mit der gleichen Semantik (Wortbedeutung) wie im Deutschen im Französischen nicht. „Patrie“ (Vaterland) oder „berceau“ (Wiege) werden einem da vorgeschlagen.
Folgt man den (etwas nüchterneren) Beschreibungen im Wörterbuch der Gebrüder Grimm, so ist mit dem Wort Heimat auch, auf jeden Fall im 19. Jhd., eine juristische Komponente verbunden. In der Heimat hat man bleibendes Aufenthaltsrecht und darf Eigentum besitzen.
Im Deutschen kann mit „Heimat“ sowohl ein konkreter Ort, als auch eine Landschaft, Sprache oder Religion gemeint sein. Ausschlaggebend, so eine nicht zitierfähige Quelle weiter, sei es, dass eine „Beziehung zwischen Mensch und Raum“ bestehe. Wie sagte schon der große deutsche Philosoph Herbert Grönemeyer: „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.“
Sind die Franzosen also „heimatlos“? Ich glaube nicht, denn erstens ist die Semantik des deutschen Wortes „Heimat“ wohl mehr oder weniger einmalig. Zweitens fragt man sich natürlich, wie oder warum gerade die Franzosen, die sich größtenteils sehr mit ihrem Land identifizieren und ihre Sprache bewachen wie Kronjuwelen, keine „Heimat“ im Wortsinne besitzen sollten.
Seit einiger Zeit nun wieder in deutschen Gefilden kann ich sagen: Das Ausland wirkt nach, auch wenn das einem natürlich nicht sekündlich immer bewusst und präsent ist.
Ich bin sehr gerne hier, lieber noch als vorher. Wahrscheinlich musste ich einfach mal einige Zeit einige hundert Kilometer zwischen mich und Westfalen bringen.
Da kann ich einer lieben deutschen Kommilitonin in Frankreich nur zustimmen und finde es durchaus legitim hier aus ihrem Blog zu zitieren: „denn wer auch wirklichen Heimatpatriotismus kennenlernen möchte, sollte im Ausland leben.
Ich komme gerne heim, weil ich so gerne hier war.“

Dienstag, 5. Mai 2009

Donnerstag, 26. März 2009

Exkurs: Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten à la française...

Bei den Galliern ist vieles anders als an anderen Teilen des Reiches. Das war schon bei Asterix so. Vieles ist hier schlicht "à la manière française". So wird auch in den Unis anders gearbeitet als bei uns. Wir sehen mal davon ab, dass die Studenten für ihre geisteswissenschaftlichen Studien keinerlei Kenntnisse toter Sprachen brauchen. Wofür sind die Quellen denn auch sonst übersetzt worden?! Referate bestehen meist daraus, dass ein Buch zusammengefasst wird und der Text, den man darüber verfasst hat, dann vorgelesen, pardon, genuschelt wird.
Mir konnte bisher auch niemand so genau sagen, warum überhaupt in Vorlesung (cours magistral) und Seminar (travail dirigé) unterschieden wird, denn eigentlich redet der Dozent durchgehend oder liest eben auch vor. Die Einzigen, die ab und an mal so wahnsinnig sind, Fragen ans Plenum zu stellen, sind exildeutsche Dozenten. Sie haben noch nicht begriffen oder nicht begreifen wollen, dass sie auch auf einfache, klare Fragen keine Antwort bekommen werden. Das ist der französische Student nicht gewohnt. Der pinnt wortwörtlich mit, was der "Meister" vorne verkündet. Das braucht man nicht zu hinterfragen, auch wenn man Geschichte studierte und von daher muss man weder die ausgeteilten Quellen in der Muttersprache lesen, geschweige denn einen Bruchteil in Originalsprache verstehen.
Richtig spannend wird es dann bei Hausarbeiten, den sogenannten "dossiers" , "mini mémoires" oder auch "dissertations" (schönes Wort!). Genau wie die Referate besteht diese Form der wissenschaftlichen Arbeit nämlich aus (genau!) drei Teilen im Hauptteil. Die können und sollten dann jeweils am besten noch Unterpunkte haben, aber von wirklich entscheidender Bedeutung ist, dass es wirklich genau drei Teile sind. Ich habe nach wie vor keine Ahnung, wieso. So ein gottloser Staat wie der französische kann sich ja wohl kaum auf die Trinität berufen.
Oftmals bekommt der ganze Kurs eine Themenstellung für die Bearbeitung zuhause und gerne auch schon die Gliederung und die halbe Bibliographie dabei. Und was ist? Die ganze Meute stöhnt, da das ja kaum schaffbar sei. Gut, die schreiben dann auch 40 Seiten oder so, aber nach 15-20 wiederholen die sich auch nurnoch. Nicht umsonst kommt es nicht selten vor, dass Doktorarbeiten (thèses) in Frankreich 1.000 oder mehr Seiten umfassen und etwa 7 (!) Jahre dauern. Ganz nach dem irischen Sprichwort: "Als Gott die Zeit erschuf, machte er viel davon!"

Mittwoch, 25. März 2009

"Jetzt aber mal Butter bei die Fische"... Eine deutsche ERASMUS-Studentin erlebt den Unistreik in Frankreich

Will man Streiken lernen, dann sollte man nach Frankreich gehen. Das können die gut. Vermutlich aus Tradition. Und mit wachsender Begeisterung, habe ich den Eindruck. Zusätzlich quer durch alle Altersgruppen und sozialen Schichten. "En grève" sein scheint fast schon eine Lebenseinstellung zu sein. Polemiker würden vielleicht behaupten, dass der Streik zum "savoir vivre" hinzu gehört. Zwei Generalstreiks in noch nicht einmal zwei Monaten (Da kommen einem dann Menschen entgegen, die trommeln und ihre verschiedenen bunten Gewerkschaftsfahnen schwingen und durch die Stadt ziehen. Bei uns hieße das vermutlich Karnevalsumzug oder so, aber sowas kennen die ja nicht.;-))
Die Studenten verbarrikadieren mittlerweile sämtliche Eingänge zu den Räumen und den Unigebäuden mit Tischen und Stühlen. Davor werden dann aber - man streikt ja mit Stil - Kaffee, Saft und Crêpes ausgegeben und Musik gehört. Blöd isses dann nur, wenn ein Großteil der Crêpes nicht in den Bäuchen der Demonstranten landet, sondern auf dem Innenhof der Fakultät. Ich habe einige meiner französischen Kommilitonen mal gefragt, ob sie das nicht auch eher für Kindergartenverhalten halten. Die Antwort darauf war - so interpretiere ich es - ein Mischung aus stummer Zustimmung und Entsetzen über die Unverblümtheit meiner Aussage.
Natürlich haben die Studenten es nicht einfach. Durch einen Lehrerüberschuss gibt es für Lehramtsanwärter schlechte Berufsperspektiven und generell - wie es europaweit die neuen Studiensysteme vorsehen - soll schneller studiert werden. Ich frage mich nur, ob dieser - teils nicht ganz gewaltfreie - Weg der Studenten der richtige ist. Einige scheinen die Zeit des Streiks auch eher zu nutzen, um mal nichts zu tun. Sorry, aber dafür ist eine Uni meines Erachtens nicht da.
Das wirkliche große Problem - so sehe ich die Sachlage - haben aber eigentlich die Dozenten. Die sollen - so Sarko, der "Liebling" der Nation - mehr in kürzerer Zeit veröffentlichen, sonst drohen Lohnkürzungen. Desweiteren sollen "Exzellenzzentren" gegründet werden und beispielsweise die Unis von Besancon und Dijon zusammengelegt werden. In Dijon würde dann geforscht, in Besac - wenn überhaupt - noch ein kleines bisschen gelehrt. (Da ich ein böser Mensch bin, kann ich mir diese Nebenbemerkung aber nun nicht verkneifen: Ich habe nicht den Eindruck, dass an der UFC Besancon in den Geisteswissenschaften sonderlich viel geforscht wird, von daher wäre der Unterschied vermutlich garnicht so groß. Aber man muss ja "fraternité" mit den andern Unis üben.)
Streikt ein Dozent nun offiziell, dann bekommt er pro Streiktag eine bestimmte Menge von seinem Lohn abgezogen und merkt das dann u.U. am Ende des Monats durchaus.
Da noch weitere Demos und Blockaden angekündigt sind, habe ich heute und morgen keine Uni. Diese Woche also nicht und somit garnicht mehr hier in Frankreich.
Was bleibt? Naja, spannend bleibt es in jedem Fall...

Brügge gesehen... und nicht gestorben... ;-)

http://martina-in-nijmegen.blogspot.com/2009/03/brugge-sehen.html?showComment=1237936500000#c6705110611991572460

Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen! ;-)

Mit der Tür ins Haus...

Ich habe hier sicher schon an der ein oder anderen Stelle anklingen lassen, dass die Franzosen eine etwas abgebrühtere und pragmatischere Art im Umgang mit Körben seitens des weiblichen Geschlechts pflegen. Ein ausgesprochen hartnäckiges Exemplar lief mir vor einigen über den Weg. Auf eine Freundin wartend saß ich am Abend in einem bisontiner Café und spürte schon die Blicke eines Kerl, der nach mir das Etablissement betrat, in meinem Nacken. Der textete mich desweiteren gnadenlos zu und jeder noch so unempathische Preuße hätte meine Ablehnung schon nach allerspätestens einer halben Minute gemerkt. "Très belle" sei ich und "on peut se marier". "Nee nee", sage ich darauf, "j'ai un petit copain à la maison" (diese Notlüge sei mir verziehen). Auch in ein paar Jahren dürfe ich mich gerne bei ihm melden, betonte besagter Franzose, dann könne man ja eine Familie gründen, denn ich sei so toll wie seine Ex.
Ich lehne ab und sage, dass ich garkeine Familie wolle (vor allem nicht mit ihm).
Olga war dann meine Rettung und Erlösung von dieser Pappnase.
Ganz am Anfang meiner Zeit in Frankreich wollt schon einer mit mir "Fernsehn schauen", was ich dankend ablehnte. Jetzt dieser Kerl!
Liebe Preußen, ich mag Euch!

Montag, 16. März 2009

Grüezi und auf Wiederluege in Züri...








Diese Sprache ist schon sehr niedlich. Ich finde überhaupt alle Dialekte südlich des Weißwurstäquators irgendwie niedlich, kann sie aber nicht immer ganz ernst nehmen, weil ich (innerlich und manchmal auch äußerlich) einfach lachen muss, wenn mir ein Sprecher dieser Varietäten begegnet.
Zürich ansich ist eine wunderschöne Stadt, nur ähnlich versnobt wie München. Ich habe noch nie so eine unglaubliche Masse unglaublich reicher Leute gesehen. Auf der Straßen sah man wirklich keinen einzigen Kleinwagen. Mercedes und BMW schienen da die absolute Basisvoraussetzung zu sein.
Wir haben es uns nett gemacht. Die Jugendherberge war zwar etwas außerhalb des Zentrums, doch war es die absolute Luxusausführung. Sowohl die Räumlichkeiten ansich, als auch die sanitären Anlagen, als auch das Frühstück. Bei einem Bier oder Kaffee mit Blick auf den Zürichsee haben wir es uns gut gehen lassen. Beim Picknick am Samstagmittag mit Olga am See habe ich dann auch mein kurz zuvor erworbenes Schweizer Taschenmesser ausprobieren können. Auch die Bootsrundfahrt über den See vor tollen Häusern und dem grandiosen Alpenpanorama im Hintergrund war der Wahnsinn.
Zürich hat, auch wenn es dort viele Protestanten gibt (;-)), schöne Kirchen zu bieten. Unbedingt sehenswert sind die Kirchenfenster im Fraumünster, die Marc Chagall in den 1980er Jahren dort gestaltete. Besonders nett ist es, abends durch die beleuchteten Gässchen zu schlendern, vorbei an den vielen kleinen Geschäften und Bier- und Weinstuben.
Am Samstagabend hatte das ERASMUS-Team Zürich für uns ein Käsefondue organisiert. Für sicher 80 bis 100 Leute haben die da Brot, Wein und Käse angekarrt. Ich habe das noch nie vorher gegessen und fand es sehr lecker. Der Käse ist jedoch sehr intensiv und auf jeden Fall eine persönliche Geschmacksfrage, doch wenn man schonmal in der Schweiz ist, gehört es ja schon irgendwie dazu.
Im Gegensatz zu Frankreich läuten am Sonntag die Kirchenglocken in Zürich fast wie in Münster. Da kamen fast schon Heimatgefühle auf. ;-)
Apropos Schweizer: Ich habe nun erfahren, warum diese Menschen gerne mal so ungalublich langsam sind. In der Schweiz ist das Kiffen legal und angeblich wird dort auch ein reger Gebrauch von dieser Regelung gemacht. ;-)

Sonntag, 8. März 2009

Straßburg reloaded




Was tun bei Straßburg im Regen? Klar, Kirchen anschauen. Das kenn ich und das kann ich. Man mag mich Banause nennen oder was auch immer, aber ich finde den Straßburger Münster von innen nicht schön. Da hat das Städtchen wirklich schönere Kirchen zu bieten, die zudem bei weitem nicht so voll sind.
Was macht man noch, wenn es meimelt? Klar, Museum. Aber kein Kunstmuseum. Martina weiß, dass das bei mir nicht lange genug dauert. Also gings ab ins Historische Stadtmuseum. Sehr gut gemacht übrigens. Danach dem Trubel von einem Café aus zuschauen und Postkarten schreiben. Der obligatorische Flammkuchen durfte am Abend natürlich nicht fehlen, bevor es ins Hostel ging. Nach Angaben des Internets sollte sich die Herberge 50 Meter von der Bushaltestelle befindet. Gut, 50 französische Meter vielleicht. An der Rezeption klappt alles überraschenderweise reibungslos. Der Aufschlag, den ich als Nicht-Besitzer einer Jugendherbergskarte laut Internet hätte zahlen müssen, wird nicht thematisiert. Gut, mir soll´s recht sein.
Ich bekomme ein Dreibettzimmer. Wie ich im Laufe des Abends merke, für mich allein. Ich betrete das Zimmer. Gefühlte 50 Grad. Gut, Thermostat verstellen, denke ich. Aber Pustekuchen. Das Ding bewegt sich keinen Millimeter. Gut, also Fenster bzw. besser Tür auf, denn mein Zimmer ist im Erdgeschoss und gegenüber die hauseigene Bar. Das Fenster (die Tür) kann also nicht die ganze Nacht aufbleiben. Ungebetener Besuch vs. Sauna. Ich entscheide mich für Letzteres. Es gibt noch Jugendgruppen im Haus. Die kommen durch die Decke und die Wand. So hört sich das zumindest an.
Das Frühstück am nächsten Tag ist erstaunlich gut für eine Jugendherberge. Das Wetter grandios. Ich sitze am Fluss und schaue auf das wunderschöne Städtchen. Ich sitze draußen in einem Café, trinke Kaffee, lese und schaue auf die Fachwerkhäuser. Es ist herrlich.
Dann ruft noch eine Freundin aus Besancon an. Sie ist auch in Straßburg. Also weiter zusammen Kaffee trinken und das Leben genießen.
Ich und faul? Niemals! ;-)

Donnerstag, 26. Februar 2009

Liebe Franzosen,

manchmal kann ich Euch geistig nicht ganz folgen. Nach einer relativ kurzen Nacht komme ich heute Vormittag in die Uni und was ist? Eine "Versammlung" ist anberaumt. Nein, die Anführungszeichen setze ich nicht aus lauter Gehässigkeit (gut, das kommt vor, aber hier jetzt nicht ;-)). Zur Hintergrundinfo wäre es vllt ratsam zu erwähnen, dass siche der Teile der Fakultät nach wie vor im Streik befinden. Dabei geht es um Lehrplanänderungen und Finanzmittelkürzungen und so einen Käse eben.
Heute traf sich nun die "gesamte" Abteilung Geschichte (Studenten und Professoren). "Assemblée générale" hieß in dem Fall: Es kommen alle, die zur gleichen Zeit Seminare hätten. Ergo: Der Hörsaal war nicht mal annähernd voll.
Vorne versuchte dann ein Typ ohne Mikro (dafür hätte er ja 3 Schritte nach hinten gehen müssen) gegen das Geraschel und Gemurmel im Hörsaal anzureden. Man verstand so akustisch nicht alles, aber das war auch weniger tragisch. Es wurde uns mitgeteilt, dass die Dozenten sich entscheiden können, ob sie ihre Seminare halten oder nicht und dass diese Versammlung, die gerade abgehalten würde, sowieso keinen Rechtsanspruch auf irgendwas hätte. Das einzige und letzte Wort für und gegen irgendwas liege beim Universitätsleiter oder dem zuständigen Dekan. (Was ja im Umkehrschluss heißen müsste - gut, vllt habt ihr Franzosen eine andere Logik -, dass die Dozenten selbst auch nicht absolut frei in ihrer Entscheidung sind, ob sie unterrichten oder nicht.) Ich bezweifle, dass Monsieur Sarko und sein Bildungsminister sich wirklich für den Affentanz interessiere, der hier gerade von statten geht.
Nichts für ungut, meine Lieben, ich mag Euch trotzdem... ;-)

Montag, 16. Februar 2009

Aus den Memoiren eines französischen Dekans...

Es hat so seine Vorteile, wenn man Seminare und Vorlesungen beim Dekan (in etwa Leiter eines Fachbereichs, in meinem Fall die Philosophische Fakultät) hat. Der gute Mann ist organisatorisch voll involviert und informiert, was den Unialltag angeht. Unser Dekan an der "Fac de Lettres" in Besancon versteht es außerdem, immer mal wieder mit netten Anekdoten um die Ecke zu kommen. So wurde er am Heiligen Abend, oder besser dem Heiligen Morgen des vergangenen Jahres nach einem langen vorangegangenen Arbeitstag morgens früh von der Polizei aus dem Bett geklingelt mit dem Hinweis, dass seine Fakultät brenne. Er dachte schon, dass er vielleicht am Abend zuvor etwas nicht ausgemacht- oder gesteckt habe. Doch das war nicht der Grund. Was war geschehen? Ein stadtbekannter Landstreicher, Penner oder meinetwegen auch Tippelbruder (ich kenne den politisch korrekten Begriff nicht) hatte sich am Abend zuvor in einem Gebäude der Uni einschließen lassen. Doch nachdem irgendwann die Heizungen ausgingen wurde es dem guten Mann kalt. Was macht man also, wenn man in einem Gebäude mit Seminarräumen eingeschlossen ist? Richtig, man sucht Papier zusammen, stapelt es, macht vielleicht noch aus ein paar Tischen Kleinholz und bringt den ganzen Kram zum Fackeln. Und schwupps wird es warm und man hat sehr bald auch noch ein paar neue Freunde in roten und blauen Jacken, die das alles scheinbar nicht ganz so drollig finden...

Sonntag, 15. Februar 2009

Snow reloaded

Gestern gings früh am Morgen in Bullis des hiesigen Hochschulsports nach Avoriaz im Skigebiet Portes du Soleil. Das Wetter konnte sich zwischen Schnee und Sonne nicht ganz entscheiden, aber die unzähligen, super Pisten mit über 2 Metern Schnee waren der absolute Wahnsinn. Da war ich dann wirklich froh, dass ich dem Rat eines Trainers gefolgt bin und mich nicht im Snowboarden versucht habe, sondern Ski gefahren bin. Das hat auch mehr oder weniger geklappt. Kam mir garnicht so vor, als sei ich über 8 Jahre nicht mehr auf solchen Dingern gestanden.
Ich musste wohl oder übel feststellen, dass wenn man sich an das hält, was die Trainer einem sagen und vormachen, dass das dann doch wohl besser geht... Unsere Lehrer waren größtenteils eher die Variante "Mann mittleren Alters" als das "Sonnyboy-Schätzelein"... ;-P
Heil geblieben ist auch alles, aber ich bin auch extra vorsichtig gefahren. Einen Tagesausflug gibts im März noch. Mal sehn. Ich hab auf jeden Fall wieder Blut geleckt... :-D

Donnerstag, 12. Februar 2009

Let it snow, let it snow, let it snow!




Schnee! Richtig viel! Endlich!
Blöd nur, wenn man sich in einer Region befindet, die sich ab wenigen Millimetern Schnee schon im Ausnahmezustand befindet, auch wenn die Region zu den kältesten Frankreichs gehört und der ein oder andere Schneeschauer eigentlich so überraschend nicht sein dürfte. Wie dem auch sei. In der vergangenen Nacht gab es innerhalb weniger Stunden eine Menge Schnee. So viel, dass die Busse nicht mehr fuhren und ich, wie viele Franzosen auch, mich zu Fuß auf den Weg in die Uni machte. So kamen aber endlich auch mal meine Schneeboots zum Einsatz. ;-)

Sonntag, 8. Februar 2009

Mampftour im Schnee




So oder so ähnlich könnte man den gestrigen Tagesausflug betiteln.
Früh morgens ging es los Richtung Pontarlier, einem Ort nahe der schweizer Grenze, ein Stück weiter oben in den Bergen gelegen. Praktischerweise hat ich mich vorher über einen Onlinewetterdienst über die Witterungsverhältnisse in unserem Zielort informiert und so war ich vorgewarnt, dass mit Schnee zu rechnen war. Die New Yorker Mädels, die mit bei uns im Bus saßen, schien es völlig zu überraschen, dass Ballerinas oder Hausclogs Anfang Februar u.U. eher suboptimal sein könnten.
Genug gefrotzelt, nun zum Inhalt ;-)
Start der Tour war der Besuch einer Käsegenossenschaft und nun konnten wir auch endlich mal wirklich sehen, wie der Comté hergestellt und gelagert wird. Da durfte eine erste Degustation natürlich nicht fehlen.
Weiter ging es nach der Mittagspause in das Labor einer Chocolaterie. War ganz nett und interessant, die Schokolade gut, aber eher süß und nicht sonderlich spektakulär.
Ein Stück außerhalb der Stadt besuchten wir dann einen Imkereibetrieb, wo uns draußen in der Eiseskälte erklärt wurde, wie Honig gemacht wurde. War ganz nett, hab viele Vokabeln nicht verstanden (habe auch nicht immer zugehört ;-P), aber ich konnte mir eh vorher schon in etwa vorstellen, wie der Zusammenhang zwischen so ner Brummselbiene und nem fertigen Honigglas aussehen könnte.
Alles in allem ein toller Tag mit ner Menge Schnee und bekloppten Amerikanerinnen...

Dienstag, 3. Februar 2009

Was ein guter Preuße ist...

Spätestens seit dem verlorenen Krieg 1870/1871 haben die Franzosen damit zu kämpfen, die Vormachtstellung in Europa verloren zu haben. Selbst im Verlaufe des 20. Jahrhunderts gelang es ihnen nicht wirklich sie wieder zu erlangen. Das nagt an ihnen, der ein oder andere gibt das sogar zu. ;-)
"Was will sie uns damit nun sagen?", fragt sich der ein oder andere Leser jetzt vielleicht. Nun, seit gestern befinden sich die französischen Universitäten im Streik. Diesmal is der Bildugsminister oder so schuld. Wie lange, das wissen sie noch nicht. Gut, ich hab diese Woche eh frei, deswegen trifft mich das nicht wirklich.
Letzte Woche Generalstreik, jetzt das. Wäre man nun ein kleines bisschen fies, dann würde man sagen:
Kein Wunder, dass das mit Euch hier nicht aufwärts geht!
Man könnte manchmal denken, dieser Staat bestünde nur aus Beamten mit Arbeitszeiten von 11.55-12Uhr und 15.25-15.30Uhr.

Donnerstag, 29. Januar 2009

Geh mal wieder auf die Straße, geh mal wieder demonstrieren...


Die Franzosen und der Streik. Bisher blieben wir hier weitestgehend verschont, aber nun hat man sich überlegt, an diesem hübschen Donnerstag im Januar einmal kurzerhand das ganze Land mehr oder weniger lahm zu legen. Erstaunlich ist nicht die Tatsache des Streikes ansich, sondern vielmehr, dass die Franzosen das in dem Ausmaße organisatorisch auf die Kette bekommen. Besonders spannend wird es aber erst, wenn man einmal die Franzosen fragt, wogegen sie eigentlich an diesem Streiktag ihre "manifs" (Demos) machen. Man sieht in ratlose Gesichter und dann bekommt man mehr oder weniger überzeugt und überzeugend gesagt, dass man "gegen alles" sei, vornweg gegen den ehemaligen Staatsliebling "Sarko", wie er hier nur liebevoll genannt wird.
Der Deutsche brauch sich über die Unannehlichkeiten jetzt aber garnicht erst künstlich aufzuregen. "C'est comme ca", sagt der Franzose da einfach und wartet geduldig auf die Dinge, die da kommen oder auch nicht kommen mögen...

Dienstag, 20. Januar 2009

...dahin, wo der Pfeffer wächst...






...sind wir heute gefahren, mehr oder weniger unabsichtlich. Gemeinsam mit unserem perfekt deutsch parlierenden englischen Kommilitonen machte sich unser Reisetrupp auf den Weg in das mit dem Zug eine halbe Stunde entfernte Arc et Senans. Absolut idyllisch liegt dieses, naja, Städtchen wäre übertrieben, diese Ansammlung von wenigen Häusern. Ziel unserer Reise war aber nicht das Kaff ansich, sondern die sich dort befindliche "Saline Royale", eine Saline aus dem 18. Jahrhundert, die von dem französischen "Stararchitekten" des Ancien Regime, Claude-Nicolas Ledoux geplant wurde. Architektonisch sehr sehenswert waren wir allerdings etwas enttäuscht, dass fast alle Gebäude geschlossen waren oder lediglich Tagungsräume beherbergten. Interessant hingegen das Salzmuseum und eine Kunstausstellung. Wir waren auch scheinbar die einzigen Gäste dort und alle Menschen, die uns auf dem Gelände begegneten, haben sicher dort gearbeitet.
Was macht man, wenn man im Jura ist und noch viel Zeit hat, bis der Zug kommt? Richtig, man macht eine Weinprobe. Es gab auch drei Etablissements, die so aussahene, als könnten die Wein anbieten, jedoch hatten allesamt geschlossen. Drei Stunden in einem Dorf, wo es weder ein Café noch einen Supermarkt gibt, können seeeehr lang werden... ;-)

Samstag, 17. Januar 2009

Freiburg, die Zeugen und der Aufzug






Es ist noch früh am Morgen, als uns die zwei Mütterchen eine Art Ausweis vor die Nase halten. "Oh Gott", denken wir, jetzt vertickern die Zeugen Jehovas ihren Wachturm auch schon in Zügen zwischen Frankreich und der Schweiz. Hinten dran ein junger Mann, den man auf den ersten Blick für den Zivi der beiden älteren Damen hätte halten können. Ob wir etwas zu verzollen hätten, wollen sie wissen. Die Ausweise wollen sie sehen und wissen, woher wir kommen. Nein, hätten wir eigentlich sagen sollen, wir wollen die Waffen erst auf dem Rückweg schmuggeln.
In Freiburg kommen wir nach einer halben Odysee dank der SNCF (das frz. Pendant zur Deutschen Bahn, nur noch inkompetenter) irgendwann doch noch an. Am Bahnhof verfalle ich fast in Freudentaumel, als ich in der Bahnhofsbäckerei die riesige Auswahl an Brot und Brötchen sehe.
Wir plündern den Drogeriemarkt. Brot, Schokolade, Kekse. Alles, was es in Frankreich nicht gibt, verschwindet in großen Koffer.
Wenig später treffen wir Thomas, meinen ehemaligen Mitfachschaftler. Er will uns Freiburg zeigen, doch auf dem Weg zum Schlossberg versagt der Aufzug fast völlig. Wir drücken den Notknopf und der Mensch am anderen Ende der Leitung sagt zu, sich darum zu kümmern. Wie ein Wunder fährt das Teil dann nun doch weiter und wir kommen oben an. Den Rückweg nach der wunderbaren, wenn auch nebeligen Aussicht, laufen, naja, rutschen wir herunter, denn Thomas ist, wie man verstehen kann, nicht gewillt diesen doch sehr unzuverlässigen Aufzug abermals zu betreten.
Wieder unten angekommen, bestaunen wir das wirklich schöne Städtchen, machen Fotos, testen die Freiburger Mensa und kaufen mehr Bier und Wein als der Zoll eigentlich zulassen würde, doch wir spekulieren darauf, dass die "Zeugen" vom Morgen jetzt anderweitig beschäftigt sind.
Am Abend verabschieden wir uns von Thomas und warten auf den verspäteten Zug. Auf der letzten Zugetappe in Frankreich treffen wir auf einen Mann ohne Fahrkarte, der mit Koffern, Gitarre und Flachbildfernseher umzieht, die Schaffner an den Rand der Weißglut treibt und zu allem Überfluss noch im Abteil (Nichtraucher!) zu Rauchen und Gitarre zu spielen beginnt. Aus einer Laune heraus macht der dann im Nachtzug das Licht und die Heizung aus. Verstehen muss man das sicher nicht.
Fazit: Super Tag, viel gesehen, bekloppte Leute, Dank an Thomas!

Dienstag, 13. Januar 2009

Was selbst die Maus nicht erklären kann...


Es kann viele Gründe haben, warum es in einem Raum, trotz Heizung, nicht so warm wird, wie es werden sollte. Wenn man den Thermostat in die falsche Richtung drehen würde, gut, dann wäre man selbst schuld. Oder wenn man das Fenster offen ließe.
Neulich brachten mich einige Kommilitonen auf ein Phänomen, das zumindest in französischen Studentenwohnheimen weit verbreitet zu sein scheint und wo sicherlich auch die klugscheißerige Maus aus der gleichnamigen Sendung in Erklärungsnöte käme:
Warum, bitte, macht man Lüftungen IN Fensterrahmen?! Reicht es nicht schon, dass es durch die Ritzen zieht?! Die hab ich irgendwann mit Panzertape zugekleistert, das ich mir geliehen hatte. Aber warum bitte Schlitze an oberen Kante des Fensterrahmen?!
Der Franzose, sehr freizügig was den Gebrauch von Schimpfwörtern angeht, hätte da eine tolle Phrase für:
Putain de bordel de merde!
Ich werde das hier nicht übersetzen! ;-)

Mittwoch, 7. Januar 2009

"Herr Doktor, ich habe Brot"

Kommunikation hat so seine Tücken, vor allem, wenn sie sich nicht in der eigenen Muttersprache abspielt. Das ist ansich nichts Neues, aber zwei meiner Kommilitonen haben das bereits hautnah erleben dürfen. Aufgrund verschiedener Symptome suchten sie hier in Frankreich Ärzte auf und schilderten ihre Beschwerden. "J'ai pain" sprach´s und schaute den Doktor erwartungsvoll an, sich nicht im Klaren, dass einige Wörter zwar im Englischen, aber im Französischen nur in anderen Zusammenhängen existieren. "Der Franzose ansich" (ein wunderbares Klischee) ist ja nun erwiesenermaßen nicht gerade anglophil, aber gerade die Medizinerzunft ist auf gewisse Grundkenntnisse der englischen Sprache angewiesen und so wurde unter Schmunzeln in beiden Fällen recht schnell klar, dass die beiden ERASMUS-Studenten nicht unter einem akuten Anfall von "Brot", sondern eher an Schmerzen litten. Im Französischen übrigens "les douleurs"...