Donnerstag, 26. März 2009

Exkurs: Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten à la française...

Bei den Galliern ist vieles anders als an anderen Teilen des Reiches. Das war schon bei Asterix so. Vieles ist hier schlicht "à la manière française". So wird auch in den Unis anders gearbeitet als bei uns. Wir sehen mal davon ab, dass die Studenten für ihre geisteswissenschaftlichen Studien keinerlei Kenntnisse toter Sprachen brauchen. Wofür sind die Quellen denn auch sonst übersetzt worden?! Referate bestehen meist daraus, dass ein Buch zusammengefasst wird und der Text, den man darüber verfasst hat, dann vorgelesen, pardon, genuschelt wird.
Mir konnte bisher auch niemand so genau sagen, warum überhaupt in Vorlesung (cours magistral) und Seminar (travail dirigé) unterschieden wird, denn eigentlich redet der Dozent durchgehend oder liest eben auch vor. Die Einzigen, die ab und an mal so wahnsinnig sind, Fragen ans Plenum zu stellen, sind exildeutsche Dozenten. Sie haben noch nicht begriffen oder nicht begreifen wollen, dass sie auch auf einfache, klare Fragen keine Antwort bekommen werden. Das ist der französische Student nicht gewohnt. Der pinnt wortwörtlich mit, was der "Meister" vorne verkündet. Das braucht man nicht zu hinterfragen, auch wenn man Geschichte studierte und von daher muss man weder die ausgeteilten Quellen in der Muttersprache lesen, geschweige denn einen Bruchteil in Originalsprache verstehen.
Richtig spannend wird es dann bei Hausarbeiten, den sogenannten "dossiers" , "mini mémoires" oder auch "dissertations" (schönes Wort!). Genau wie die Referate besteht diese Form der wissenschaftlichen Arbeit nämlich aus (genau!) drei Teilen im Hauptteil. Die können und sollten dann jeweils am besten noch Unterpunkte haben, aber von wirklich entscheidender Bedeutung ist, dass es wirklich genau drei Teile sind. Ich habe nach wie vor keine Ahnung, wieso. So ein gottloser Staat wie der französische kann sich ja wohl kaum auf die Trinität berufen.
Oftmals bekommt der ganze Kurs eine Themenstellung für die Bearbeitung zuhause und gerne auch schon die Gliederung und die halbe Bibliographie dabei. Und was ist? Die ganze Meute stöhnt, da das ja kaum schaffbar sei. Gut, die schreiben dann auch 40 Seiten oder so, aber nach 15-20 wiederholen die sich auch nurnoch. Nicht umsonst kommt es nicht selten vor, dass Doktorarbeiten (thèses) in Frankreich 1.000 oder mehr Seiten umfassen und etwa 7 (!) Jahre dauern. Ganz nach dem irischen Sprichwort: "Als Gott die Zeit erschuf, machte er viel davon!"

2 Kommentare:

Martina hat gesagt…

Hey, das klingt wirklich nicht nach Wissenschaft und kritischem Selberdenken. Da sind die Niederländer doch ein wenig anders, denn hier werden in Vorlesungen Fragen von beiden Seiten gestellt. Es gibt kein "hoorcollege" in dem nicht nach spätestens 5 Minuten der Dozent dazu auffordert, Zwischenfragen zu stellen, was auch meist geschieht, zumindest dann, wenn man mit Niederländern zusammensitzt. In den anderen Veranstaltungen kommen immerhin noch von Seiten der Lehrenden Fragen, die stets von den gleichen Studenten beantwortet werden. Meine französischen und belgischen Sitznachbarinnen haben mich tatsächlich sehr irritiert angeschaut, als ich die ersten Male aufgezeigt haben, aber sie gewöhnen sich daran...

Anonym hat gesagt…

Wie - französische Lehre nicht wissenschaftlich? - Oder doch? en grève und mini-dossiers und dafür 17 Punkte bei angenehm stillen Kommilitoninnen und Kommilitonen. Huargs - keine Möglichkeit ihnen ein Sterbenswörtchen mündliche Mitarbeit zu entlocken. Bei trister Langeweile in den Seminaren, es sei denn das Thema interessiert.